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NARCOTIC SALE „Der berauschende Ausverkauf“

Jung, dynamisch, international
Appellierten noch vor wenigen Jahren die Worte Sommerschlussverkauf und Winterschlussverkauf an die Instinkte der Schnäppchenjäger, ist es jetzt SALE. Weniger sperrig und behäbig als seine Vorgänger hat dieses Wort überall Einzug gehalten. Und vor allem unbefristet. Mit der Lockerung des Wettbewerbsrechts 2004 scheinen alle Dämme gebrochen zu sein.
Das englische Wort SALE hat ein ganz anderes Suchtpotenzial als seine Vorgänger SSV und WSV. Hatte man dort noch vornehmlich die preisbewusste Hausfrau in mittleren Jahren im Visier, haben sich mit SALE völlig neue Zielgruppen erschlossen: weltoffene, junge Menschen, bereit zu schnellen Entscheidungen. Und selbst wer faktisch nicht dazugehört, kann sich damit leicht identifizieren. Denn wer möchte nicht dabei sein und sich mit den Insignien der ewigen Jugend und finanziellen Potenz umgeben? Und die ist nötig, denn SALE erlaubt keine Pause, keine Erholungszeit. Stress, der nur im Rausch zu verkraften ist. Weitere Motive ►


Im Dauerrausch
Immer mehr muss in immer kürzeren Abständen angeschafft werden, um gesellschaftlich akzeptiert zu werden. So wenigstens vermittelt es uns die Werbung und schürt die Sucht nach Besitz. Wer „in“ sein will, verpasst keinen neuen Trend und sonnt sich im Glanz von Kultmarken. Wie paralysiert greift er nach allem, was vermeintlich seinen sozialen Wert steigert.
Industrie und Werbung tun ihr Möglichstes, um Begehrlichkeiten zu wecken. Immer neue Produkte überfluten den Markt. Ihre Lebensdauer ist von vornherein begrenzt, um nach kurzer Nutzung neuen Bedarf zu wecken. Um eine flächendeckende Verbreitung sicherzustellen, werden sie in hoher Auflage und unter zweifelhaften Bedingungen gefertigt. Und kaum ist ein Bedürfnis befriedigt, werden neue Begehrlichkeiten geweckt. Weitere Motive ►


Einkaufen war einmal
Die Zeiten, in denen man einkaufen ging, um den Grundbedarf zu decken, sind vorbei. Heute geht man shoppen. Shopping ist ein Event. Bei einer Befragung des Instituts für Demoskopie Allensbach im Jahr 2010 nannten knapp 17 Millionen Menschen Shopping als favorisierte Freizeitbeschäftigung. 2011 waren es bereits 20 Millionen.
Immer mehr Menschen beziehen ihr Selbstwertgefühl in den großen Einkaufszentren oder im Internet. Online-Shops florieren und umwerben ihre Kunden mit vermeintlich unschlagbaren Angeboten. Rund um die Uhr. Das macht es einfach, aufsteigende Frustration im Keim zu ersticken und schnell etwas Verlockendes zu bestellen. Persönliche Defizite werden durch gedankenlosen Konsum ausgeglichen. Wie lange geht das gut? Weitere Motive ►


Hypnotisches Zeichen
In der Fotosequenz NARCOTIC SALE zeigt Achim Koerfer als Kernelement das Wort SALE in vielen unterschiedlichen Schriftarten, einzeln, in Gruppen, vordergründig oder fragmentiert. Der jeweilige Kontext lässt breiten Raum zu Assoziationen: Schmuck, Möbel, Textilien, DVDs – alles ist denkbar. Alles ist käuflich. Vor allem aber der Konsument, der sich von dem Wörtchen SALE einlullen lässt.
Trotz der Schwere der Bedeutung ist die Gestaltung nicht erdrückend, sondern von anmutiger Ästhetik. Trotz kräftiger Farben bewahrt sie etwas Geheimnisvolles, das es zu entdecken gilt. Weitere Motive ►


Ausverkauf der Menschlichkeit
Koerfer gibt mit NARCOTIC SALE einen Denkanstoß, das eigene Konsumverhalten zu hinterfragen. Sind wir noch mündige Kunden oder längst fremdbestimmte Konsumenten? Es kann langfristig nicht funktionieren, Sozialverträglichkeit und Nachhaltigkeit zu ignorieren. Durch ungebremsten Konsum fördern wir den Raubbau an Rohstoffen, Kinderarbeit und die Ausbeutung von Arbeitern.
Schon heute können viele Leute nicht mehr von ihrer Arbeit leben. Zunehmend sind private Haushalte überschuldet und die soziale Schere klafft immer weiter auseinander. Eine Entwicklung, der wir Einhalt gebieten sollten, indem wir andere Werte in den Vordergrund stellen. Weitere Motive ►



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