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2009  -  FLORAL IMPACT
 

>> Slideshow >> Die Zukunft wächst nicht Sie wird gezüchtet. Performance und Profit sind die Maßstäbe der Selektion für Perfektion. Fast unbemerkt lässt ein unüberschaubares Zusammenspiel von Eingriffen in die Natur durch den Menschen eine neue gefährliche Welt entstehen. Mittels gezielter Mutationen und künstlicher Selektionen wird die Pflanzenwelt umgestaltet. Der Mensch versucht, die Perfektion der Natur zu optimieren und ganz seinen Bedürfnissen anzupassen. Dabei treibt die Gentechnik immer bizarrere Blüten, die mit ihrer unnatürlichen Schönheit und augenscheinlichen Funktionalität blenden wollen und die innewohnenden Gefahren vergessen lassen.

Den Glanz dieses gefährlichen und zugleich schönen Zaubers zeigt Achim Koerfer in seiner Fotosequenz FLORAL IMPACT. Schon seit der Antike dienen Blumen als Zeichen der Vergänglichkeit von Schönheit und Leben. Zwar sind Blumen  tatsächlich vergänglich- ihre Schönheit und die Freude, die sie uns bereiten, aber nicht. Allein schon darum müssen wir sie schützen, sie in all ihrer ursprünglichen Vielfalt und Form bewahren. Somit ist FLORAL IMPACT auch ein Aufruf gegen die systematische Denaturierung der Pflanzenwelt durch die Gentechnik. 

 

>> Slideshow >> Unsere Welt ist mit einer schier unendlichen Fülle und Artenvielfalt der Pflanzen und Blumen gesegnet, die teils unscheinbar am Wegesrand wachsen und gedeihen. Zumeist gehen wir achtlos unseres Weges und übersehen dabei tagtäglich die kleinen Wunderwerke der Natur, die unseren Pfad zieren und die Landschaft verschönern. Wenn wir uns bloß die Mühe machten, kurz zu verweilen und nach links und rechts zu blicken, könnten wir so manche Schönheit entdecken, die die Natur für uns bereithält. Denn nicht nur in unseren perfekt angelegten und gepflegten Gärten und Parkanlagen wachsen die Pflanzen, sondern auch dort, wo der Mensch der Pflanzenwelt keine Pflege angedeihen lässt. So wachsen allein in unseren Breitengraden bis zu 100 verschiedenen Pflanzen auf einem Meter Feldweg.

FLORAL IMPACT ist ein visuelles Manifest, das genau das leistet, was es verlangt: Das Alltägliche nicht als Selbstverständlich zu nehmen, sondern es als etwas Besonderes wahrzunehmen. So lässt Koerfer die stimmlosen Pflanzen gegen die von der Wissenschaft vorangetriebenen De- Flora- tion sprechen, die Entjungferung und Vergewaltigung der Natur. Die Fotosequenz entstand an den verschiedensten Schauplätzen. Einerseits in Innenräumen, wo in unnatürlichen Anordnungen zusammengefügte Blüten und Pflanzen einem neonbeleuchteten Ambiente einen Hauch natürlicher Schönheit verliehen. Andererseits entstanden im Frühjahr und Herbst weitere Aufnahmen unter freiem Himmel, z.B. in botanischen Gärten und Schrebergarten- Kolonien.

Durch seine einzigartige Fototechnik lässt Koerfer aus Kombinationen von Wildblüten und herkömmlichen Gartenzüchtungen scheinbar neue, irreal exotische Blütenarten entstehen, die in der Welt der Botanik unbekannt sind. Sie offenbaren die unnatürliche Manipulation, die die menschlichen Eingriffe in die Natur bedeuten, plakativ und mit einer ganz eigenen Ästhetik. FLORAL IMPACT ist eine Versinnbildlichung der Folgen des menschlichen Eingriffs in die Natur. Die blendende Schönheit des Zusammenspiels von Licht und Farben der Kompositionen stellt die hypnotisch schönen Auswüchse des uralten Traums dar, Gott zu spielen. Ein Traum, der schnell zum Wahn gedeiht. Für Koerfer spiegeln die Blütenkompositionen außerdem auf fesselnder Art und Weise die fraktale Beschaffenheit einer intakten, autarken Natur, die es zu schützen gilt.

 

>> Slideshow >> Denn was früher einfach als gegeben gesehen wurde, muss heute bis ins Letzte Detail erforscht werden. Naturphänomene von überwältigender Schönheit werden auf ihre physikalischen und chemischen Abläufen reduziert, und selbst unsere Seele muss sich die Frage gefallen lassen, ob es sie denn wirklich gibt oder ob sie letztendlich nicht nur eine Illusion ist, die durch biochemische und elektrische Prozesse entsteht. Das Wunder des Lebens wird zu einer Doppelhelix und einer Abfolge aus G, A, T und C, die wir erst gerade beginnen zu begreifen. Der Mensch ‚hackt’ sich in den Gencode ein, um seine Vorstellung von der Schönen neuen Welt zu verwirklichen, ohne Rücksicht auf die möglichen Folgen- und entfesselt dabei irreversible Prozesse.

Umrankt von den seltsamen Blüten seiner Wissenschaft träumt der Mensch kaleidoskopisch farbenfrohe Träume einer Neugestaltung seiner Welt weiter. In Wirklichkeit läuft der aus Gründen der unerbittlichen Kommerz und Überheblichkeit Gen manipulierende und darwinistisch selektierende Mensch Gefahr, selbst durch eine außer Kontrolle geratene Natur herausselektiert zu werden. Denn in letzter Konsequenz ist alles vergänglich- wie die Natur ist allein die Kunst für die Ewigkeit.



 

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