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2008  -  SYNTHESIZED FASHION
 

>> Slideshow >> In der überwältigenden Flut der neuen Medien legt die Gesellschaft immer mehr Wert auf den schönen Schein. Dies geschieht allerdings zum Nachteil von Substanz und Inhalten. Noch nie wurden die Willkür und Diktatur der neuesten Modetrends so stark und unwiderstehlich propagiert wie durch die Medien von heute, die ein gewaltiges Instrumentarium darstellen. Trends, die eher aus kommerziellem Kalkül als aus ästhetischen und kreativen Beweggründen resultieren, werden dem weltweiten Publikum mit einer beispiellosen Schnelllebigkeit präsentiert. Individuelle und originelle Ideen werden zu Massenware degradiert; die Konsumenten auf kaufkräftige Modepuppen reduziert. Doch haben sich ganze Generationen in jeder Alters- und Gesellschaftsschicht schon immer in Rollen pressen lassen, die nicht ihre eigenen sind.

Deshalb wählte Achim Koerfer für seine Fotosequenz SYNTHESIZED FASHION die stummen, mit einheitlichen Gesichtern versehenen Schaufensterpuppen als Hauptakteure. Sie sind ein fast schon archaisches Sinnbild für die genormte Gesichtslosigkeit und Gleichmacherei des Modediktats.

 

>> Slideshow >> Denn wie auch bei menschlichen Models nach glatten Gesichtern gesucht wird, in die sich alles hineinschminken lässt, weil sich kein eigener Charakter darin spiegelt, müssen sich auch die leblosen Schaufensterfiguren die immer neue Anpassung an aktuelle Stil- und Schönheitsideale gefallen lassen. Zu oft und oberflächlich geben wir uns mit dem äußeren Anschein zufrieden, fügen uns und folgen statt in Frage zu stellen, eine eigene Interpretation zu wagen, eine eigene Welt zu kreieren und uns selbst treu zu sein.

Somit ist SYNTHESIZED FASHION ein visueller Appell für mehr Vielfalt- und gegen die gesichtslose Gleichmacherei durch das Mode- und Markendiktat. Die Bildkompositionen verleihen den leb- und stimmlosen Schaufensterpuppen eigenwillige Persönlichkeit und eine eigene Sprache. In einen neuen visuellen Kontext gesetzt, in ihrer ganz eigenen Kulisse, bekommen sie eine geheimnisvolle Schönheit und Tiefe jenseits aller Standardisierung und Gewohn(t)heit. Dadurch sind die Mannequins nicht mehr Objekt und Maßstab, sondern bekommen ein Eigenleben, das Mut zum eigenen Sein und Selbst fordert. Denn Koerfers Credo sind Inspiration und Individualität jenseits von aufgezwungen Dresscodes, hin zu Vielfalt und Toleranz.

Wo Mode zum hirnlosen Herdentrieb wird, wo Menschen den Verstand ausschalten und konform mitlaufen, weil sie dazugehören und gefallen wollen, verhüllt sie oftmals fehlende innere Werte. Kleidung zeigt Status, Gruppenzugehörigkeit, Lebenseinstellungen, Wünsche- und sollte daher schon von der Logik her individuell sein. Dann kann Mode auch demonstrieren, inspirieren und animieren- als Ausdruck der Individualität, als Zeichen gegen das Establishment, die Eltern oder die Anpassung an etwas Unpassendes.

Im Sinne von Kleidung sollte sie ein freudiger Ausdruck von Individualismus und Rebellion gegen die Normen der Gesellschaft sein, statt zum Bekenntnis zur Konformität zu werden, die die Kapitulation an den Gruppenzwang darstellt. Unter dem Motto „Kleider machen Leute“ wird konsumiert, uniformiert und eine gnadenlose Markenschlacht geführt, die schon im Kindergarten beginnt.
 

>> Slideshow >> Von Anfang an wird so eine Eigenvermarktung anerzogen, die einen ungebührend hohen Stellenwert in unserer Gesellschaft bekommen hat. Statt zu sich zu stehen, wird das Aussehen chamäleonartig an die Erwartungen der anderen angepasst. Manche missbrauchen dieses weit verbreitete (Miss)Verständnis der Mode, um durch „Mehr Sein durch Schein“ ihre Mitmenschen zu manipulieren, zu blenden. Ihre Opfer sind jene, die nicht mit gewohnten Sichtweisen brechen können oder wollen, um den Menschen hinter der Mode zu sehen. Denn unsere Kleidung, unser Outfit kommuniziert mit unserer Umwelt. Unser Erscheinungsbild wird zum Spiegel unseres Charakters, oder zumindest einiger seiner Eigenschaften, die wir sichtbar machen wollen. Umso wichtiger ist es, seinen eigenen Weg, den eigenen Stil zu finden.

Schließlich ist es die Vielfalt, die uns Menschen ausmacht- unsere unterschiedlichen Erfahrungen, Hintergründe, Sichtweisen, Bedürfnisse und Wünsche. Das pralle Leben lädt uns alle ein, durch Ausprobieren und Experimentieren uns selbst und unsere Welt zu erfahren und unseren ganz eigenen Platz in ihr zu finden. Trotz Anpassung an gesellschaftliche Richtlinien und Parameter, die ein friedliches und fruchtsames Zusammenleben regeln, bleibt doch genug Raum für Eigen- Art, die Kunst des Selbstseins.

 

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