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NARCOTIC SALE
 

SLIDE SHOW ÖFFNEN ► Immer mehr und zunehmend jüngere Menschen definieren sich über ihren materiellen Besitz. Ihr Motto ist: Du bist, was Du kaufst. Trend- und Marken(zuge)hörigkeit bestimmen ihr Kaufverhalten und werden zum Maß ihres Selbstwerts. Vorbei sind die Zeiten des Bestrebens, durch innere Werte wie Persönlichkeit, Intelligenz, Tugendhaftigkeit oder gar Bescheidenheit zu glänzen. „Mehr“ ist das neue Credo, Maßlosigkeit der neue Chic. Gedankenloser Konsum wird zum Tagesziel und Lebensinhalt einer kapitalistischen Gesellschaft, die Sein durch Haben ersetzt hat und kaum mehr ideelle Inhalte bietet. Selbst jene, die es sich gar nicht leisten können, lassen sich von den Verlockungen des Überangebots und der Illusionen der Werbeversprechen verleiten.

 

SLIDE SHOW ÖFFNEN ► Je nachdem, an welchem Ende der gesellschaftlichen Skala angesetzt wird, ist das Anschaffen und Raffen von Gütern einerseits Ersatzbefriedigung in perspektivenloser Existenz, andererseits eine schale Demonstration des materiellen Status. Gleichheit herrscht darin, dass Menschen unabhängig von Schicht und Status zu Verbrauchern deklassiert werden, zu Konsumiertieren. Eine schier unerschöpfliche Ressource, deren einziger Nutzen es ist, zu konsumieren - und dabei selbst konsumiert zu werden. Und wie eine Schlacht wütet der unerbittliche und permanente Ausverkauf, den Achim Koerfer mit seiner Fotosequenz NARCOTIC SALE thematisiert. Ein Ausverkauf nicht nur aller erdenklicher, teilweise komplett überflüssiger Waren, sondern auch der Werte.

Ob klassisch im Geschäft oder modern im Internet: Einkaufen hat sich von der Notwendigkeit zur Freizeitbeschäftigung, ja sogar zum Volkssport entwickelt. Volksauto, Volkshandy und Volksverdummung machen es der Masse einfach, mangelnde Werte durch Besitz zu substituieren. Nicht umsonst gilt Konsum als das kontemporäre Opium fürs Volk. Shoppen ist für viele bereits eine Droge, die die Denk- und Entscheidungsfähigkeit massiv beeinträchtigt.

 

SLIDE SHOW ÖFFNEN ► Die Sucht danach verlangt nach permanentem Nachschub und immer höheren Dosen, um das Belohnungszentrum des Gehirns zu stimulieren. Denn genau dieser Kick ist es, der Einkaufen zum idealen Heilmittel von Langeweile und Lebensüberdruss, von Minderwertigkeits- und Machtlosigkeitsgefühlen macht. In intensiven Bildern zeigt NARCOTIC SALE, wie der wahre Wert immer mehr dem Warenwert weicht, das Einkaufserlebnis dem Kaufrausch. Dieses Suchtverhalten wird von Wirtschaft und Werbung gezielt generiert und als normales Verhalten propagiert. „Ich kaufe, also bin ich; ich bin, was ich kaufe“ - und wer nicht kaufen kann, erleidet einen Entzug. Um die Kaufkraft der Konsumherde zu erhalten, wird die Sucht mit Schnäppchen und Sonderkonditionen wie 0 %- Finanzierungen gefüttert. Ladenlandschaften und Auslagen sind geschickt darauf abgestimmt, den Käufer auf bewusster und unbewusster Ebene zum Konsum zu bewegen. Unterschwellige Manipulationen wie strategisch eingerichtete Regalanordnungen und der Einsatz von Düften und Musik in Geschäften machen Kunden zu willigen Opfern im Konsumkrieg.

Die damit einhergehende maßlose Verramschung der Werte spiegelt sich in der Wertigkeit der mit Sollbruchstellen und Schnellverschleißteilen gefertigten Waren wider. Qualitätsarbeit ist Mangelware geworden. Doch auch hier bestimmt die Nachfrage den Markt: Waren größere Anschaffungen früher auf besondere Anlässe wie Weihnachten oder Geburtstage beschränkt, will sich der Homo Consumicus das ganze Jahr über beschenken und etwas gönnen. Damit er sich die permanente Erfüllung auch größerer Wünsche leisten kann, kommen ihm Industrie und Handel mit minderwertiger Qualität entgegen - und sichern sich dadurch selbst ihren Erhalt und eine nicht abreißende Absatzchance.

 

SLIDE SHOW ÖFFNEN ► Dass diese Strategie nur für eine begrenzte Zeit aufgehen kann, da sie sich letztendlich selbst kannibalisiert, zeigt sich schon jetzt anhand der sprunghaft ansteigenden Privatinsolvenzen, die den Kollaps dieses ökonomischen Systems markieren. NARCOTIC SALE ist ein Spiegel der Illusion und des Irrglaubens, Konsum brächte automatisch mehr Lebensqualität, Glück, Wohlergehen und Ansehen. Gleichzeitig versteht sich der „berauschende Ausverkauf“ als einen Aufruf zur Rückbesinnung auf Notwendigkeit und Nachhaltigkeit.

 

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